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Vereinshistorie

Auf den Höhen über Titisee-Neustadt, an der Wasserscheide zwischen Rhein und Donau, liegt die Hochschwarzwälder Streusiedlung Schwärzenbach. Für Erholung suchende und Feriengäste ist dieser Ort mit seinen 260 Einwohnern ein wahres Kleinod.

Zu jeder Jahreszeit kommen hier Aktivurlauber auf ihre Kosten. Auf einer Gemarkungsfläche von 1600 Hektar, davon allein die Hälfte Wald, sind die Ortsteile Unter- und Oberschwärzenbach, Reichenbach, Täle, Großhof, Margrutt, Wiesbach, Ahornhäuser, Ahorn und Ebenemoos über Höhen und Täler verteilt. Höchster Punkt des Ortes ist der 1142 Meter hohe Steinbühl. Seit 1971 ist Schwärzenbach ein Stadtteil von Titisee-Neustadt.

Der Ortsteil Ahorn kann auf eine alte Sage aus dem Mittelalter verweisen. Damals wurde der Kreuzbauer der Hexerei angeklagt und nach kurzem Prozess auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Vom Scheiterhaufen rief er: „Zum Zeichen dafür, dass ich unschuldig sterbe, soll bei meinem Hof ein großer Ahornbaum wachsen.“ Und so geschah es. Über Jahrhunderte weg stand der übermächtige Ahornbaum und gab dem heutigen Gasthaus „Ahorn“ und dem Ortsteil seinen Namen.

Eine andere Sage wurde zum Hintergrund für die Fasnetfigur des im Jahre 1979 gegründeten Narrenvereins. Es ist die Geschichte vom „Kolmewible“, die sich die Schwärzenbacher an den langen Winterabenden auf der „Kuscht“ erzählten. Der Kolmen ist ein bewaldeter Höhenrücken in Richtung Schollach. Dort, wo der Wald immer dunkler zu werden scheint, soll das „Kolmewible“ nächtliche Wanderer in die Irre geführt haben und nicht mehr von ihrer Seite gewichen sein. Sehen konnten das Kolmewible aber nur Leute, die in den „Fronfasten“ (Quatembertage) geboren waren. 

Zu jenen gehörte vermutlich auch der Obervogt aus Neustadt, heute vergleichbar mit einem Landrat. Er ritt mit seinem Pferd an einem nebligen Herbstmorgen quer über den Kolmen auf das Schollacher Tal zu. Sein lederner Handschuh war ihm hinderlich, als er die Schnupftabakdose aus seiner Manteltasche ziehen wollten. So zog er ihn aus und legte ihn auf die Mähne seines stolzen Pferdes. Diesem schien das jedoch nicht zu gefallen. Es schüttelte seinen Kopf und der Handschuh fiel auf den Waldboden. Mit einem herzhaften Fluch wollte der Obervogt gerade von seinem Roß steigen, um seinen Handschuh aufzuheben. Da sah er nur wenige Meter entfernt ein untersetztes Weiblein stehen. Der Würde seines hohen Amtes bewusst, rief er dem Weiblein in teils freundlichem, teils befehlendem Ton zu: „He, gute Frau, seid so gut und hebt mir mein Handschuh auf, ihr sollt es nicht umsonst tun.“ Die Frau blieb jedoch auf ihren krummen Wanderstock gestützt unbeweglich stehen. Ihre großen Augen blickten den Obervogt verächtlich an, als wolle sie dem hohen Henn deutlich machen, dass er keine Macht über sie habe.

Gereizt rief der Obervogt der Weib zu: „Du scheinst dieses Sechskreuzerstück nicht nötig zu haben?“ Dabei ließ er die Münze in der aufkommenden Sonne blinken. Im selben Augenblick wurde die vor ihm stehende Gestalt riesengroß und ging an dem vor Angst wiehernden Pferd vorbei. Sie verschwand ebenso schnell im Wald wie sie gekommen war. Das Pferd aber hatte sich aufgebäumt und den Obervogt abgeworfen.

Trotz heftigem Zureden ließ es ihn nicht mehr aufsitzen. So musste der hohe Herr, nachdem er seinen Handschuh aufgehoben hatte, missmutig zu Fuß in Richtung Schollach weiter gehen. Nach einiger Zeit wunderte er sich, dass er das Ende des Waldes nicht nicht finden konnte. Er müsste doch längst das Schollacher Tal erreicht haben. Entsetzt stellte der Obervogt fest, dass er sich wieder an dem Platz befand, wo ihm das seltsame Weiblein begegnet war. Schnellen Schrittes ging er zurück nach Schwärzenbach. Dort erzählte er von seinem Erlebnis. Den Schwärzenbachern war natürlich klar, dass die Gestalt nur das Kolmewible sein konnte. So wie der Obervogt, sollen in früherer Zeit viele Leute genarrt worden sein.


Gründung

Die Fasnet hat in Schwärzenbach noch keine lange Geschichte. Das dörfliche Zusammenleben der Flecken und Gehöfte funktionierte anders als in den Haufendörfern der Baar. So wurden vergleichsweise erst spät die ersten Vereine gegründet. 1927 der Gesangverein, 1950 die Feuerwehr, 1956 der Landfrauenverein und 1960 die katholische Landjugendbewegung. Der Gesangverein begann irgendwann mit einem internen Fasnetabend am Schmutzige Dunschtig im Gasthaus „Ahorn“. Im Jahr 1962 wurde erstmal in der Schule Fasnet gefeiert. Diese Veranstaltung hatte jedoch zehn Jahre später ein jähes Ende, als die Schwärzenbacher Schule aufgelöst wurde.

Die Landjugendgruppe begann 1980 mit einem Programmabend, zunächst im Gasthaus „Donishäusle“, und danach im „Schneckenhof“. Dieser Fasnetabend wurde bald über die Grenzen Schwärzenbachs bekannt und hatte regen Zulauf.

Am 22. Januar 1978 fuhr die Stammtischrunde vom „Salenhof“ nach Bachheim. Dort fand das Narrentreffen der Schwarzwälder Narrenvereinigung statt. Schon während des Umzuges und auch später auf dem Heimweg keimte die Idee, dass man doch auch einen Narrenverein gründen könnte. Der Gedanke war bald in die Tat umgesetzt.

Am 23. März desselben Jahres trafen sich die 13 Stammtischbrüder wieder und waren wild entschlossen, einen Fasnetverein zu gründen. Mit dabei waren auch Fridolin Kleiser, der bei den Rötenbacher Teufeln aktiv war, Karl-Heinz Scherer von den Schellenberg Hexen Donaueschingen und Sepp Brauner von den Neustädter Gägs. Sie standen bei der Gründung mit Rat und Tat zur Seite. Besonders Sepp Brauner wies bereits an diesem Abend auf das „Kolmewible“ hin. Es wäre eine sehr gute und in die Landschaft passende Fasnetfigur. Soweit wollten die Gründer jedoch noch nicht gehen und wählten zuerst einen Vorstand.

Der älteste und erfahrenste sollte Vorstand werden. Dies war Norbert Corpus. Zu seinem Stellvertreter wählten die Gründer Clemens Pfaff. Zum Schriftführer wurde mit Hans Grünsteidel ein Lehrer bestimmt, und die Kasse wurde Walter Kleiser, einem gelernten Kaufmann übertragen.

Die nächsten Wochen galten den Überlegungen, wie die Schwärzenbacher Fasnet belebt werden könnte. Auch entschloss man sich, eine Fasnetfigur zu entwerfen. Sagen gab es ja genug in und um Schwärzenbach. Der „Schimmele-Rieter“ oder das „Kolmewible“. Oder sollte man aus der Sage um den „Kreuzbauer“ vielleicht die „Ahorn-Hexen“ entstehen lassen? Maskenschnitzer Egon Schwarz aus Bubenbach sprach sich deutlich gegen eine Hexengruppe aus. Er, wie aus Sepp Brauner rieten den Schwärzenbacher Narren zum „Kolmewible“. Nach mehreren Beratungen war die Sache perfekt. Das „Kolmewible“ gab die neue Schwärzenbacher Narrenfigur. Schließlich war es ja eine Haupteigenschaft dieser Sagengestalt, die Leute zu Narren. Egon Schwarz, allseits bekannt als „Schnitzer-Benni“, entwarf die Maske für das „Kolmewible“ mit dem Gesicht eines pausbäckigen, listig dreinschauenden alten Weibes. Mit der Trachtenschneiderin Theresia Schubnell aus Titisee-Neustadt fanden die jungen Narren auch für das Häs eine kompetente Person. Sie schuf für das „Kolmewible“ eine St. Märgener Arbeitstracht. So entstanden bereits im laufe des Jahres 1979 dreizehn „Kolmewible“.

Im laufe der Jahre wuchs der Verein auf stolze 39 Mitglieder.

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Das Vorstandsamt besetzten von 1983-1991 Klaus Knöpfle, von 1991-1999 Walter Kleiser, 1999-2009 Werner Winterhalder, 2009-2013 Frank Kleiser und seit 2013 führt Kevin Straub den Narrenverein an.


Die Schwärzenbacher Fasnet

Der neue Narrenverein nahm fortan auch die Gestaltung der Schwärzenbacher Fasnet in die Hände, ohne jedoch die bisherigen, von anderen Vereinen veranstalteten Fasnetabende zu untergraben. Im Gegenteil, man wich mit dem eigenen Bunten Abend auf den Freitag bereits zwei Wochen vor der eigentlichen Fasnet aus. Hier gibt es für die Gäste aus Nah und Fern einen Bunten Abend mit tollen Programmpunkten, einer Kostümpremierung und natürlich zünftiger Live-Musik zum Tanzen. Im Zelt-Anbau und der "Kolmebar" heizt ein Dj ordentlich ein, wobei auch die jüngeren und junggebliebenen Gäste ordentlich feiern können!

Am darauf folgenden Sonntag holen die „Kolmewible“ den Narrenbaum am „Hochebenehof“ ab und tragen ihn hinunter zum alten Schulhaus, wo er errichtet wird. Die Kinderfasnet schließt sich an. Lustige Spiele, die Narrensamenfütterung und eine Kostümprämierung der Kinder sind die Höhepunkte dieses Nachmittages. Der Musikant unterhält Kinder wie Erwachsene mit munteren Weisen.

Am Fasnet-Zieschtig treffen sich die „Kolmewible“ zum letzten Akt der Schwärzenbacher Fasnet, zur Narrensuppe im Café Vogelbacher. Am Nachmittag ziehen sie von dort weiter zu den anderen Gasthäusern und lassen ihre Fasnetliedle erklingen. Gegen Abend kommt die fröhliche Schar beim „Ahorn“ an. Nun gibt es für den Narrenbaum kein Erbarmen mehr. Er hat seinen Dienst als Wahrzeichen der Fasnet getan und wird gefällt. Mit seinem Reisig verbrennt man bei einbrechender Nacht symbolisch die Fasnet.

Bei den traurig umher stehenden „Kolmewible“ fließt so manche Träne unter der Maske hervor.

Denn sie war wieder schön, die junge Schwärzenbacher Fasnet. Zum letzten Mal erschallt der Narrenruf „Kolme-Wiber“ und dann wird das Fasnethäs in den alten Truhen der Schwarzwaldhöfe verstaut. Bis im nächsten Jahr nach Dreikönig die närrischen Geister von neuem erwachen.

Die Gründungsurkunde aus dem Jahre 1979


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Am 13.03.1979 haben die Gründungsurkunde unterschrieben:


1. Roland Knöpfle   8. Egon Ganter


2. Rolf Knöpfle   9. Fridolin Kleiser


3. Walter Kleiser   10. Franz Kleiser


4. Bernhard Waßmer   11. Klaus Bodenlos


5. Wolfgang Knöpfle   12. Clemens Pfaff


6. Gotthard Hofmeier   13. Norbert Corpus


7. Hans Grünsteidl   14. Lothar Hofmeier


Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 23.03.1979 statt



Aktualisiert (Mittwoch, den 16. Januar 2013 um 16:04 Uhr)